LAbg. Ingrid Gady: Stellungnahme zur Novellierung des Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz

Kernpunkt der neuen Gesetzesvorlage ist eine Flexibilisierung, um die Interessen der Familien, der Wirtschaft und der Gemeinden unter einen Hut zu bringen. Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben wir noch viel zu tun um die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen. Familie wird in den Zeitlücken der Erwerbsarbeit gelebt. Dort werden die Anforderungen statt weniger immer mehr. Die Flexibilität am Arbeitsplatz mutet unseren Kindern viel zu. Eine gute Betreuung und Förderung der Kleinsten ist das Fundament für die Entwicklung der Persönlichkeit und den späteren Erfolg in Schule und Beruf. Was am Lebensanfang versäumt und vernachlässigt wird, lässt sich später nur in Grenzen und mit hohem Aufwand ausgleichen.

Die positiven Auswirkungen von frühkindlicher Bildung über höhere Bildungs- aspirationen und andere langfristige Effekte bis hin zur Integration in den Arbeitsmarkt und in Folge höhere Steueraufkommen übertreffen die dafür notwendigen Investitionen um ein Vielfaches. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist eindeutig: Jeder Cent, den man nicht frühzeitig in die Bildung steckt, kostet später einen bis fünf Euro an Sozialinvestitionen.

Allen Kindern soll eine optimale individuelle Förderung nach ihren Stärken und Fähigkeiten zu teil werden. Dafür bedarf es bestens ausgebildeter Pädagoginnen und Pädagogen.

Der Beruf der Kindergartenpädagogin/des Kindergartenpädagogen verdient ein Mehr an gesellschaftlicher Anerkennung. Ich halte die Frühpädagogik für die anspruchs- vollste Pädagogik. Aber bei uns bleibt sie leider ein Kellerkind der Pädagogik – und das völlig zu Unrecht.

Wir sind auf einem guten Weg: 350 Millionen Euro wird der Bund in den kommenden Jahren für den Ausbau der Kinderbetreuung in Österreich zur Verfügung stellen. Dabei sollen vier Schwerpunkte gesetzt werden: Ausbau der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren, Schaffung eines bundesweiten Qualitätsrahmen für die elementarpädagogischen Einrichtungen, Ausbau und qualitative Aufwertung der Tageselternbetreuung sowie der Sprachförderung. Es gibt bereits viele gute Beispiele, wie man Kinderbetreuung gestalten kann – sei es in modernen Kindergärten und Krippen, sei es in Form von Tageselternmodellen, generationenübergreifenden Projekten. Auch ehrenamtliche Initiativen wie Oma- Opa-Dienste oder generationenübergreifende Zeit-Hilfs-Netze haben sich bereits bestens bewährt und ließen sich in jeder steirischen Gemeinde positiv, unbürokratisch und kostenfrei umsetzen.